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Nico Wunderling wäre genau der richtige, wenn man mal jemanden braucht, der einem kurz vorm Weltuntergang noch gut zuredet. Sein Fachgebiet dreht sich um den möglichen Kollaps des großen Ganzen, das für den einen, die andere unvermeidlich-apokalyptisch erscheinen mag. Aber nicht, wenn Nico Wunderling darüber spricht. Wunderling ist Wissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für rechnerbasierte Erdsystemwissenschaften an der Uni Frankfurt. Außerdem hat er am Global Tipping Points Report mitgearbeitet, dem Sachstandsbericht, der erörtert, wie sehr verschiedene Systeme auf der Erde am Kippeln sind.
Das spätestens seit den auf die Leinwand gebrachten Gedankengängen eines Roland Emmerich wohl bekannteste dieser Systeme ist die nordatlantische Umwälzzirkulation, die AMOC, an der der berühmte Golfstrom seinen Anteil hat. „Es sind zwei handvoll Studien, die in den letzten vier, fünf Jahren rausgekommen sind, die doch relativ glaubhaft gemacht haben, dass ein Kippen der AMOC nicht mehr auszuschließen ist.“ Wunderling erklärt das mit einer fürsorglichen Besonnenheit, die man Wunderling’sche Ruhe nennen könnte, ohne einen Hehl daraus zu machen, wie ernst die Lage eigentlich ist. Der Meerwasseraustausch, dem die europäischen Winter ihre Milde verdanken, droht also zu kollabieren, bei den aktuellen Erwärmungstrends mit einer durchaus besorgniserregenden Wahrscheinlichkeit. „Es kann sein, dass das nicht mehr in diesem Jahrhundert, sondern möglicherweise – in Anführungsstrichen – erst im nächsten eintritt, aber da sprechen wir durchaus von signifikanten Risikoniveaus.“
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