|
Eine Reise mit der Kölner Stadtbahn ist jedes Mal auch eine etwas unfreiwillige Spazierfahrt durch die Jahrzehnte: mit den Verspätungen der Gegenwart, einem Fuhrpark der goldenen Neunziger, dem Fliesen-Chic der Siebziger und Achtziger in den Tunnelbahnhöfen. Und einem Kuddelmuddelsystem zwischen Metro und Straßenbahn als Ergebnis einer Verkehrspolitik der Sechziger, als in der BRD die autofreundliche Stadt noch hochgehalten wurde. Die Betriebskosten sind hingegen im Hier und Jetzt zu stemmen. Und die des unentwegten Ausbaus, der nicht nur für die klimafreundliche Verkehrswende entscheidend ist, sondern auch, um dem Verkehrsaufkommen von Deutschlands vierter Millionenstadt gerecht zu werden. Sagen wir es so: Im Stadtrat sucht man nach Lösungen und ein Teil der Lösung könnten ausgerechnet Autofahrende sein, aber dazu gleich.
Nun steht nicht nur am Rhein, sondern auch an Elbe, Spree, Weser und Ruhr die Verkehrswende gewissermaßen im Wendehammer und die Finanzierung des ÖPNV auf mehr als wackeligen Beinchen, obwohl es immerhin zwei sind: Einmal die Finanzierung durch die Ticketpreise, deren gelernter Preisanstieg (siehe Grafik) sich möglicherweise nicht bis in alle Ewigkeit auf die Spitze treiben lässt. Und dann, mit so Pi mal Daumen zwei Dritteln das längere Bein, die Finanzierung durch Kommunen, Länder und letztendlich den Bund. Der kummervolle Blick der öffentlichen Hand auf die Kosten einer klimafreundlichen Massenmobilität mag allerdings ein verzerrter sein, findet Oliver Mietzsch, einer von zwei Geschäftsführern beim Westfalen-Tarif in Bielefeld, dem drittgrößten Tarifverbund Deutschlands. „Die Kosten für den Straßenverkehr verteilen sich auf unterschiedliche Haushaltsposten“, stellt Mietzsch fest. „Und deshalb sieht man nicht auf den ersten Blick, was eigentlich der Straßenverkehr die Kommune kostet. Beim ÖPNV sieht man es aber letztlich ausgewiesen als Defizit bei den Stadtwerken.“
|