Aufgrund dieser vielversprechenden Ergebnisse spricht Gicon-Geschäftsführer Jochen Großmann nun davon, „Offshore-Windkraft an Land zu bringen“. Für die Windenergie wäre das ein echter Gamechanger, denn bislang können Windräder an Land nicht ansatzweise mit den großen Anlagen vor der Küste mithalten. Ein modernes Offshore-Windrad schafft mittlerweile bis zu 15 MW, Windräder an Land nur grob 5 MW. Noch viel entscheidender sind allerdings die sogenannten „Volllaststunden“, also wie lange die Anlage im Schnitt bei maximaler Leistung läuft. „Im Offshorebereich kommen wir auf 55 Prozent Volllaststunden und genau diese Volllaststunden erreichen wir beim Höhenwind auch“, erklärt Großmann.
Dennoch: Mit den großen Anlagen vor der Küste kann das Lausitzer Höhenwindrad zumindest aktuell noch nicht ganz mithalten. Denn darüber entscheidet auch die Leistung der Turbine oben auf dem Windrad. Aktuell ist auf dem Schipkauer Großwindrad eine 3,8 MW-Turbine verbaut – so wie auf den normalen Windrädern in der Umgebung auch. Ausgelegt sei der Turm für eine 8 MW-Turbine, verspricht Großmann. Solange diese Turbine noch nicht verbaut ist, erzeugt das Lausitzer Höhenwindrad noch nicht die maximal mögliche Leistung.
Energieökonomin Prof. Claudia Kemfert vom DIW Berlin findet, die eigentliche Innovation des Windrads liege nicht im Höhenrekord, sondern in der Auslastung, also den Volllaststunden. „Der größte Vorteil könnte künftig sein, dass gleichmäßig erzeugter Windstrom besser zum Strombedarf passt.“ Zu hoffen sei, dass dann auch weniger Phasen mit geringer Einspeisung entstehen – was enorm wichtig für das zukünftige Stromsystem sein werde. Kemfert findet: „Das Potenzial für einen Gamechanger ist durchaus vorhanden“, aber man müsse in den kommenden Monaten und Jahren herausfinden, ob die Konstruktion den enormen Belastungen in dieser Höhe standhalten werde.
|