Hallo zusammen,
manchmal ist es als Klimajournalistin kaum auszuhalten, finde ich: Dieses Nebeneinander von „Es wird ziemlich sicher ziemlich schrecklich werden, wenn wir es als Menschheit nicht schaffen, noch einen deutlichen Zahn zuzulegen beim Klimaschutz“ und „Es passiert doch unglaublich viel, Klimaschutz-Technologien bieten auch wirtschaftlich riesige Chancen, es geht gerade so viel in die richtige Richtung“. Das Problem ist: Beides stimmt. Gleichzeitig.
Anfang dieses Sommers hatte ich an einem Morgen nacheinander zwei absolute Top-Klimaforschende im Interview: Gunnar Luderer, Energiesystem-Forscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, und Friederike Otto, DIE Forscherin im Bereich der Klima-Attributionsforschung, Professorin am Imperial College London.
Ich habe beide gefragt: „Wenn Sie sich vorstellen, es ist 1990, und jemand sagt Ihnen, wo die Welt heute, 2026, stehen wird in Sachen Klimapolitik – wären Sie dann positiv oder negativ überrascht?“
Friederike Otto meinte, wenn ich sie das 2022 gefragt hätte, wäre ihre Antwort positiver ausgefallen, aber aktuell sehe sie, dass die regierenden Parteien in ganz vielen Ländern „im Wesentlichen Politik für die großen fossilen Konzerne machen“. Energiesystem-Experte Gunnar Luderer dagegen argumentierte sinngemäß: Auf Klimaschutz zu setzen, sei einfach in so vieler Hinsicht das Vernünftigste – das MÜSSE einfach passieren. Aber wie passt das zusammen? Wenn Klimaschutz auch wirtschaftlich gesehen so eindeutig sinnvoll ist, warum geht es dann nicht schneller? Eine wichtige Antwort auf diese Frage hat mir Gunnar Luderer in dem Interview selbst geliefert. Es seien aktuell „sehr viele irreführende Falscherzählungen“ zum Klimawandel im Umlauf.
Aber wo kommen diese Falscherzählungen her? Und vor allem: Warum sind sie so erfolgreich? Darum geht es diese Woche.
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