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Was braucht es also, um das smarte, flexible Verteilnetz zu bekommen? Auf der technischen Seite ist das nicht ganz so einfach, erklärt Wolter. Denn die nötigen Komponenten sind teils schwer verfügbar, weil die Nachfrage natürlich hoch ist. Er verweist auf den Trafo: „Man wartet heute etwa fünf Jahre zwischen Bestellung und Lieferung. Mittlerweile ist es so, dass man sich nur eine Kapazität einkauft, also sagt: Ich möchte in fünf Jahren einen Trafo kaufen.“ Der Netzausbau sei aktuell am Maximum, es werde massiv investiert. Dennoch: „Der Netzausbau wird immer dem Ausbau der Erneuerbaren hinterherhinken“, bilanziert Wolter. Auch bei der Bundesnetzagentur verweist man auf den großen Zeitaufwand. „Es müssen Planungen und Genehmigungen durchgeführt werden, es braucht Fachkräfte, es braucht entsprechende Lieferketten und Verfügbarkeiten“, sagt Sprecher Fiete Wulff.
Die Möglichkeiten beim Ausbau des Netzes an sich sind also begrenzt. Bleibt die Digitalisierung für eine intelligente Netz-Steuerung. Doch auch dafür braucht es physische Voraussetzungen. Nur digitale Geräte können miteinander kommunizieren. Der Blick in den Keller verrät aber meist: Dieser Stromzähler ist nicht so smart. Die Gesamtausbauquote für intelligente Messsysteme – die Smart Meter – in Deutschland liegt aktuell bei rund 5,5 Prozent aller Messstellen. Zum Vergleich: Im Schnitt liegt sie in ganz Europa bei 67 Prozent. „Das Thema Smart Meter ist ein historisches Trauerspiel in Deutschland“, sagt Bundesnetzagentur-Sprecher Wulff. „Wir haben rund 400 Netzbetreiber sukzessive seit Beginn des Jahres sehr robust ermahnt. Wir würden auch Zwangsgelder verhängen, wenn sie nicht nachsteuern.“ Hat es gewirkt? „Wir sehen jetzt, dass sich da einiges getan hat, aber das ist immer noch nicht ausreichend“, so Wulff.
Die Smart Meter sind die Voraussetzung dafür, dass weitere Zahnräder im System funktionieren können. Damit wissen die Betreiber, was wirklich in ihrem Netz los ist und der Blindflug hat ein Ende. „Das ist die zwingende Voraussetzung, dass man überhaupt diese zeitaufgelösten Messungen hat“, sagt der Professor für Vernetzte Energiesysteme an der HTWK Leipzig, Jens Schneider. „Man muss natürlich wissen, wann ist das Netz wie ausgelastet, um das dann in einen Preis übersetzen zu können“, erläutert er.
Ein digitalisiertes Netz ließe auch Verbraucher wissen, wann sie wie viel für ihren Strom zahlen – und nur dann können sie sich auch flexibel anpassen, sagt Fraunhofer-Forscher Kohrs. „Ein Elektrofahrzeug zum Beispiel steht die ganze Nacht über in der Garage und braucht zum Laden vielleicht nur zwei Stunden, dann kann das dann passieren, wenn es systemisch sinnvoll ist und für den Verbraucher preiswert.“ Sogenannte dynamische Stromtarife richten sich nach dem günstigsten Preis an der Strombörse. Flexibilität, die sich in der Geldbörse bemerkbar macht und das vollständig automatisiert. Das gefällt auch der Bundesnetzagentur: „Primärer Treiber sollte der Markt und sollten Preissignale des Marktes sein“, sagt Wulff.
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