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Die Wirklichkeit nehmen wir nie wirklich neutral wahr, erklärt Armin Falk, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn. Neue Informationen ordnen wir immer vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen und Werte ein. Geschichten helfen uns dabei manchmal auch, unser eigenes Verhalten zu rechtfertigen. Etwa mit dem Gedanken: Ein Flug mehr macht keinen Unterschied.
Politische Akteure und Lobbyisten haben verstanden, dass sich das nutzen lässt: Narrative rund um den Klimawandel sind längst zu einem eigenen Geschäftsmodell geworden. Oft genügt es. dabei den Fokus zu verschieben, von Katharina auf Alexandra und umgekehrt. Oder eben von der Verantwortung der Ölkonzerne auf den CO₂-Fußabdruck des Einzelnen.
Dabei reicht es, Zweifel zu säen und den Eindruck zu vermitteln, es gebe keine klare Antwort. Dann, so hat es der Lobbyist Rick Berman mal formuliert, bleiben die Menschen beim Status quo. Wie perfide solche Narrative seit Ende der 80er-Jahren verbreitet wurden, das haben wir in unserem Podcast REICH ausführlich beleuchtet.
Wichtig für uns an dieser Stelle: Die Narrative halten sich hartnäckig. Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf begegnet ihnen seit Jahrzehnten. Etwa der Erzählung, der Mensch trage nur wenig zur Erderwärmung bei. Das ist wissenschaftlich vielfach widerlegt. Stefan Rahmstorf sagt heute, er hätte sich Anfang der 1990er Jahre nie vorstellen können, "dass die Fakten so klar auf dem Tisch liegen und die Politik nicht entschlossen handelt".
Es wäre bequem, die Schuld allein bei den Lobbyisten zu suchen. Zum einen, weil die Geschichten ja nur deshalb funktionieren, weil sie an etwas anknüpfen, das bereits vorhanden ist: unsere Erfahrungen, Werte und Vorstellungen über die Welt. Zum anderen, weil unser Gehirn so funktioniert: Dass Geschichten eingängiger sind als Fakten, ist wissenschaftlich gut belegt. Falk erklärt das mit sogenannten "Gedächtnisankern". Geschichten verbinden Informationen mit konkreten Menschen, Entscheidungen und Folgen. Dadurch lassen sie sich deutlich leichter erinnern als nackte Zahlen.
Die eigentliche Frage für mich ist deshalb: Wenn Geschichten so erfolgreich Zweifel säen können, sollten sie dann nicht auch dabei helfen, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlicher zu machen?
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