Hallo miteinander,
neulich ist mir etwas passiert, was perfekt zu Goethes berühmten Versen passt: "Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah." Ich war Anfang März für eine Konferenz in Oulu. Die finnische Großstadt an der Ostsee ist dieses Jahr Kulturhauptstadt Europas und für Klimajournalisten gleich aus mehreren Gründen spannend. Einerseits hat sie ein extrem gut ausgebautes Netz von Fahrradwegen, das auch im finnischen Winter (Schnee von November bis März, Temperaturen bis -30 Grad Celsius) durchgehend befahrbar gehalten wird. (Die Kollegen vom NDR haben eine sehr sehenswerte Doku darüber gemacht).
Außerdem legt Oulu großen Wert auf Re-Use, Recycling und Müllvermeidung – was ja einer der Schlüssel zur Reduktion von Klimaemissionen ist. Im Zentrum gibt es einige sehr beliebte Second-Hand-Läden, die aber im Grunde dem allgemein bekannten Geschäftsmodell folgen. Innovativer fand ich das kommunale Entsorgungsunternehmen, das neben der Müllabfuhr auch den Recyclinghof "Likke" betreibt. Likke verkauft Kleidung, Möbel und alle Arten von Dingen, die Menschen loswerden wollen, die aber noch nutzbar sind. Obendrein verleiht der Recyclinghof gespendete Sportartikel wie alte Langlaufski, damit man neue Sportarten ausprobieren kann, bevor man sich neues Equipment kauft.
Auf Nachfrage erfuhr ich, dass Oulu das Konzept 2015 etabliert hat und damit Vorreiter in Finnland war. Zurück in Deutschland habe ich meinen Kollegen davon erzählt, woraufhin einer sagte: "Da brauchst du aber gar nicht nach Finnland zu fahren, das gibt es in Berlin auch. Dort heißt das NochMall." Also habe ich bei der "NochMall" angerufen und da erfahren, dass es ähnliche Projekte auch in Hamburg, München und sogar Leipzig gibt. Scheinbar überall gehen kommunale Entsorger gerade neue Wege in Richtung Re-Use und Upcycling – und darum wird es in diesem Update gehen.
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