Denn Fernwärme ist eine kollektive Lösung: Sie lohnt sich erst dann, wenn möglichst viele Haushalte in einem Gebiet mitmachen. „Das bedeutet, jede Eigentümergemeinschaft und jede Wohnungsgesellschaft muss für sich eine Entscheidung treffen“, erklärt Hartwig Kalhöfer, Chefstratege der Leipziger Stadtwerke. Auch Kalhöfer plant, das Fernwärmenetz auszubauen. Allerdings braucht es dafür zuerst eine Zusage der Gebäudeeigentümer.
Viele dieser Eigentümer zögern aktuell. „Weil eben eine Verunsicherung da ist. Viele Leute wissen nicht, ob sie tatsächlich zur Fernwärme wechseln wollen, weil das Gebäudemodernisierungsgesetz aktuell suggeriert, Gas kann ich noch ewig nutzen“, so der Stadtwerke-Planer. Für die Stadtwerke und andere Energieversorger ergibt sich daraus eine schwierige Situation: Sie müssen die Wärmeversorgung der Zukunft planen, treffen dabei aber auf Gebäudebesitzer, die erst einmal abwarten.
70 Prozent Auslastung brauche es mindestens, damit sich ein Fernwärmenetz für die Leipziger Stadtwerke lohne, sagt Hartwig Kalhöfer. „Wenn wir genug Unterschriften haben, dauert es nochmal fünf Jahre, bis jedes Gebäude einen Fernwärmeanschluss hat.“ Dabei entsteht aber auch eine Art Henne-Ei-Problem: Wenn in den kommenden vier Jahren ein Heizungstausch ansteht, kommt Fernwärme in einigen Gebieten nicht infrage, weil sie schlicht noch nicht vorhanden ist. Für viele Gebäude in Leipzig mit seinen historischen Gründerzeit-Bauten kommt eine Wärmepumpe auch nicht infrage, weil der Platz fehlt. Bleibt: eine neue Gasheizung, die dann vermutlich bis 2050 in Betrieb wäre. „Wenn individuelle Lösungen erst einmal eingebaut sind, dann bleiben sie. Die werden nicht nach fünf oder zehn Jahren wieder rausgerissen, um Fernwärme anzuschließen“, sagt Gebäudeenergieexperte Markus Fritz.
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