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Druckluftspeicher sind in Deutschland also eine altbewährte Technologie, die Komponenten könnten hier gebaut werden – am Standort Görlitz hat sich beispielsweise Siemens Energy sogar darauf spezialisiert – und sie könnten regional eine Speicherlücke abdecken. Warum also hat sich das nicht längst durchgesetzt?
Immerhin gab und gibt es Versuche. Einen davon hat vor gut zehn Jahren RWE beendet: Das Projekt ADELE in Staßfurt in Sachsen-Anhalt wurde 2015 eingestellt. „Aus Kostenüberlegungen und wirtschaftlichen Erwägungen“, sagt KIT-Forscher Baumann. „Und vermutlich auch Mangels politischem Willen, so etwas umzusetzen. Das ist, glaube ich, eher das Problem. Denn der aktuelle Markt sei denkbar schlecht geeignet für Speichertechnologien wie diese. Deshalb müsse die Politik Anreize schaffen: „Das könnte ein Kapazitätsmarkt sein“, sagt Baumann. „Im Moment ist es so, dass man nur die Energie, die man liefert, vergütet bekommt. Aber die Leistung ist ja das Wichtige. Ich muss ja stetig gewappnet sein, um erneuerbare Energien, ausgleichen zu können. Das müsste geändert werden, damit solche Projekte wirtschaftlich geplant werden können.“ Neben dem Marktdesign seien aber auch die aktuellen Regularien teil es Problems.
Kurzum: Für die Betreiber lohnt sich das Ganze aktuell nicht. Sie investieren deshalb lieber in andere Technologien – wie etwa Batteriespeicher, sagt RWTH-Forscher Sauer. „Man kann Batterien in jeder beliebigen Größe skalieren und irgendwo hinstellen. Und eben da, wo man den Strom direkt braucht.“ Sauer verweist auf den chinesischen Neubau, um die Preisfrage zu illustrieren: „Der Preis, der dort angegeben wird, liegt etwa beim zweieinhalbfachen dessen, was man für einen gleich großes Batteriespeicherkraftwerk bräuchte.“ Rein wirtschaftlich gesehen gebe es keinen Zweck, das einzusetzen, meint Sauer.
Und dann gibt es da auch technische Nachteile, sagt Forscher Mancini. Denn auch der Wirkungsgrad sei kaum ausreichend im Vergleich zu anderen Technologien. „Batterien zum Beispiel oder Power-to-Gas-Technologien haben einen höheren Wirkungsgrad. Deshalb hat die Industrie, denke ich, Bedenken.“ Die Frage sei also: Lohnen sich dann hohe Investitionskosten in eine riesige technische Anlage überhaupt langfristig für einen Investor?
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