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Lassen Sie uns zunächst einmal mit der Theorie einsteigen, um zu verstehen, was der Blick nach Skandinavien mit uns macht: Fremdvergleiche sind nämlich etwas ganz Natürliches, weiß Immo Fritsche, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Leipzig: "Wir brauchen soziale Vergleiche, um zu verstehen, wer wir eigentlich sind und wo wir stehen." Das tun wir, indem wir uns mit anderen vergleichen, die uns ähnlich sind. Wenn es nun um eine Gruppe geht ("Wir Deutsche"), kommt noch eine zweite Ebene dazu: der Vergleich mit Fremdgruppen. Erst durch diese Abgrenzung wird deutlich, wofür die eigene Gruppe eigentlich steht.
Und das hat Folgen: Vergleichen wir uns mit Ländern, in denen Umweltschutz kaum eine Rolle spielt, wird er leicht zu einem positiven Merkmal unserer eigenen Identität. Der Vergleich stärkt also unser kollektives Selbstbild. Haben wir dagegen den Eindruck, ein anderes Land sei uns in Sachen Klimaschutz deutlich überlegen, kippt dieser Effekt. Dann entsteht das Gefühl, dass Umweltschutz für "uns" offenbar weniger wichtig ist – oder, wie Fritsche es formuliert, dass wir eher "Umweltmuffel" sind. So gesehen tut uns der idealisierte Vergleich mit Skandinavien nicht gut.
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