Petrothermale Geothermie birgt ein enormes Potenzial, sagt Inga Moeck: „Weil man es schlicht überall machen könnte.“ Für die Geothermie in Deutschland könnten diese Systeme demnach vieles verändern. Allerdings: In der Praxis gibt es sie aktuell noch nicht. „Eigentlich ist das eher ein Forschungsthema. Die Marktreife ist noch nicht da“, betont Moeck, die selbst Professorin für Angewandte Geothermik und Geohydraulik an der Georg-August-Universität Göttingen ist.
Darüber hinaus sei die Erschließung kostspielig, weil die entsprechenden Bohrungen drei bis sechs Kilometer tief sein müssen. „Das Gestein muss 120 Grad heiß sein, besser 150 Grad. Gneis und Granit sind außerdem harte Gesteine – da bohrt es sich sehr langsam.“ Auch das sei ein enormer Kostentreiber.
Die Erkundung des Erfurter Untergrundes per Truck wird alleine bereits 5,8 Millionen Euro kosten. Aus Inga Moecks Sicht ist die Entscheidung der Stadtwerke Erfurt für Erdwärme ein „mutiger Schritt“. Dennoch sei die Strategie, jetzt das Potenzial auszuloten, genau richtig und zeuge von kompetenter Planung.
Der Ausbau dieser Energiequelle dürfte in der Bevölkerung allerdings auch teilweise mit Vorbehalten verbunden sein. Risse in Hauswänden, Verschiebungen im Boden – so die Horrorszenarien. Im südbadischen Ort Staufen löste eine Bohrung 2007 durch missglückte Abdichtung eine Katastrophe aus. Der Boden in der Stadt hob sich um über 70 cm. Inga Moeck sagt, mittlerweile sei die Technologie an einem Punkt, an dem dieses Risiko beherrschbar geworden sei. Strenge seismische Überwachungen seien vorgeschrieben: „Wir wissen, was passieren kann, und wir wissen, was man tun kann, damit es nicht mehr zu Unfällen kommt.“
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