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#231
vom 20. Februar 2026

Wie der Klimawandel unseren Urlaub verändert

von Katja Evers
Hallo zusammen,

na, haben Sie vielleicht schon ihren Urlaub geplant oder sind gerade dabei? Für mich mit zwei kleinen Kindern geht es wohl zu den Großeltern nach Deutschland. Ganz simpel also – und vielleicht auch der Tatsache geschuldet, dass ich in einem Urlaubsland wohne. Meer und Berge habe ich hier zuhause in Norwegen. Genau dorthin zieht es aber Jahr für Jahr immer mehr Urlauber im Sommer, zumindest beschreibt es die norwegische Presse so. Schuld daran sei der zu heiße Süden Europas und die Einschränkungen, die die Hitze mit sich bringt.

2023 und 2024 gab es aufgrund der Dürreperiode in Spanien sogar Beschränkungen für die Wassernutzung. Viele Hotelpools blieben leer. Situationen, auf die wir uns als Reisende in Zukunft wohl öfter einstellen müssen. Denn der Klimawandel verändert auch unsere Urlaubsziele – und damit die Art, wie wir Urlaub machen. 

MOMENT DER WOCHE

Die 300 Tonnen Kamelle kamen dieses Jahr etwas leiser daher – transportiert mit 76 E‑Autos im Kölner Rosenmontagszug. Rechte: Ford

Wie der Klimawandel unseren Urlaub verändert

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Vielleicht haben Sie noch die Waldbrände vor Augen, die im letzten Herbst durch Südeuropa wüteten, oder das Baumsterben im Harz, das weite Teile der Landschaft in eine trostlose Gegend verwandelte. Erst vor ein paar Wochen gab es in Kanada einen Erdrutsch, der mehrere Menschen auf einem Campingplatz verschüttete.

Beispiele dafür, wie der Klimawandel beliebte Urlaubsziele beeinflusst, gibt es viele – auch wenn nicht alle so drastisch sichtbar sind, erklärt Charlotte Bellmann, Referentin für Forschungsvorhaben am Deutschen Institut für Tourismusforschung (Fachhochschule Westküste) und Doktorandin an der Europa Universität Flensburg. Es gibt auch subtilere Auswirkungen: dass bestimmte Pflanzenarten seltener werden, andere hinzukommen, sie früher blühen oder der Meeresspiegel steigt. Etwas, das vor allem Stammgäste beobachten, die immer wieder an denselben Ort zurückkehren – etwa, weil der Strand "schrumpft", so die Forscherin, die zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Destinationen und das Reiseverhalten von Touristen promoviert.
 
Von außen betrachtet verstehen Sie und ich sicherlich, dass nicht die Einheimischen, das Hotel oder die Touristeninfo daran direkt schuld sind. Die Frage ist aber: Wenn kaum noch Strand da ist, der Pool leer bleibt und der Nationalpark wegen Waldbrandgefahr gesperrt ist – wie frustriert wären Sie dann? Nun, es hängt davon ab, welcher Reisetyp Sie sind. Warum das so ist und was Sie tun können, um Frustrationen zu vermeiden und trotz Einschränkungen einen schönen Urlaub zu verbringen, schauen wir uns jetzt an. Wir beginnen mit dem Urlaubsziel. 

Das Urlaubsziel: Wo der Klimawandel zuschlägt

Bevor klar ist, was Sie im Urlaub machen oder was eingepackt werden muss, braucht es ein Reiseziel. Natürlich spielen persönliche Vorlieben mit Blick auf den Klimawandel bereits eine Rolle. Charlotte Bellmann etwa verträgt Hitze schlecht: "Im August nach Portugal oder Italien – das kommt für mich eher weniger in Frage."

Wenn Sie nun wissend nicken: Das gilt für weniger Menschen, als man meinen könnte! Das erklärt mir Harald Zeiss, Direktor des Instituts für Tourismusforschung der Hochschule Harz. Bei der großen Hitze im Mittelmeerraum vor ein paar Jahren habe man sogar das Ende der Pauschalreisen dorthin vorhergesagt. "Aber diese Länder melden weiterhin Umsatz- und Gästerekorde."
Klare Gewinner oder Verlierer lassen sich bisher nicht identifizieren. Der Klimawandel sei überall spürbar. Auch Charlotte Bellmann bestätigt das. Zeiss zeigt sich eher überrascht, wo noch immer Hotels gebaut werden: "Stichwort Malediven – denen man den bevorstehenden Untergang schon mehrfach prognostiziert hat."

Für ihn wird künftig weniger die Hitze oder Trockenheit entscheidend sein, sondern die politische Stabilität: Staaten, deren politische Systeme durch Folgen der Klimakrise wie Wasser- oder Nahrungsmittelknappheit unter Druck geraten, könnten langfristig Schwierigkeiten haben, ein stabiles gesellschaftliches Gefüge aufrechtzuerhalten, so der Forscher. Wo genau das sein wird, ist schwer absehbar – zu vielfältig sind die Auswirkungen, zu unterschiedlich die Faktoren. Erste Trends gibt es aber dazu, wann gebucht wird. Und hier kommt auch der Reisetyp ins Spiel.

 Die Buchung: Flexibilität schlägt Starrheit

Wenn Sie ihr Reiseziel ausgewählt haben, steht bekanntlich die Buchung an. Wenn Sie sich dabei gerne Zeit lassen, folgen Sie dem Trend: Bereits jetzt ist jedes Jahr die Wetterlage anders und die Touristen passen sich an, erklärt Harald Zeiss. "Wir erleben, dass dies in der Tourismusbranche zunehmend zu kurzfristigeren Buchungen führt". Die Menschen wollen abwarten und sehen, was passiert.
Alle sind in Habachtstellung und schauen, was passiert.
Prof. Dr. Harald Zeiss
Flexibilität lohne sich generell, meint Charlotte Bellmann – sowohl bei der Reisezeit als auch beim Reiseziel. Je nach Reisetyp gelingt das leichter oder schwerer. Sind Sie wie ich (vor den Kindern) Rucksacktourist, haben sie mehr Möglichkeiten zur Anpassung, glaubt Zeiss. Und sind auch eher bereit dazu. "Ich sage jetzt mal ganz salopp, wenn irgendwo in Südamerika ein Überlandbus nicht fährt, dann ist das halt so, dann wartet man auf den nächsten." Wer mehr Luxus bevorzugt, wird auf Einschränkungen wie leere Pools weniger flexibel und entsprechend schneller frustriert reagieren – man hat ja schließlich dafür bezahlt.

Gehören Sie zur letzteren Kategorie, lohnt es sich, die Versprechen der Reiseanbieter genau zu prüfen. Wird etwas beworben, das nicht garantiert werden kann, besteht eventuell ein Reklamationsgrund. Gleichzeitig gibt es Anbieter, die zunehmend auch gegen schlechtes Wetter versichern wollen, so Zeiss – obwohl, wie er selbst in einer Studie festgestellt hat, das Wetter bislang keinen Einfluss auf das Reklamationsverhalten (von in diesem Fall Ferienhausgästen) hatte. Überraschend, wie er selbst findet. Wer gebucht hat, zieht den Urlaub meist auch durch. Kein Problem – denn auch vor Ort haben wir einiges selbst in der Hand.

Der Urlaub: Wenn Erholung auf Krisenmodus trifft

Zunächst sollten wir Einschränkungen vor Ort nicht als böswillige Maßnahme gegen Touristen verstehen. Meist haben sie gute Gründe. In Norwegen etwa lese ich jedes Jahr von Touristen, die ums Leben kommen, weil sie die Naturgewalten unterschätzt haben.
Charlotte Bellmann empfiehlt daher: auf den Wanderwegen bleiben, Sperrungen akzeptieren, Warnhinweise beachten und lokale Informationskanäle nutzen. Auch sich den Gewohnheiten der Einheimischen anzupassen – etwa nicht zur Mittagszeit große Wanderungen zu starten – kann vieles erleichtern.

Hier sieht Charlotte Bellman auch die Anbieter in der Pflicht, uns die Dringlichkeit auch zu kommunizieren: "Menschen verstehen Einschränkungen, die mit Umweltschutzmaßnahmen verbunden sind, eher dann, wenn sie verstehen, warum es sie gibt." Verständnis und Akzeptanz reduziert den Frust.
Eine transparente Kommunikation ist von allen Stakeholdern gefordert.“
Charlotte Bellmann
Und auch die Sichtweise kann vieles ausmachen. Harald Zeiss etwa plädiert für eine Änderung der Perspektive: "Die Einschränkungen sind ja auch Teil des Erlebnisses. Dass man eben etwas erlebt, was man zuhause nicht hat und das können eben auch solche Herausforderungen sein. Dass man nicht jeden Tag vor einem prall gefüllten Tisch sitzt." 

Auch das ist sicherlich Typsache, aber probieren kann man es ja zumindest.
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Natürlich geht das Problem wie immer weit über uns als einzelne Touristen hinaus oder wie Charlotte Bellmann es formuliert: "Nur, weil man im Hotel Wassersparmaßnahmen umsetzt, heißt das nicht, dass es dann über dem Hotel verlässlich regnet." Sie warnt davor, sich nicht nur einfach an die Folgen anzupassen, sondern auch die Ursachen anzugehen. Im Tourismus müssten entsprechend sämtliche Anbieter, auch die Verwaltungsebenen, darauf bedacht sein, Emissionen zu reduzieren und den Tourismus langfristig nach regenerativen Prinzipien zu gestalten.

Die Dürre in Spanien hat auf jeden Fall Eindruck hinterlassen. Das Fremdenverkehrsamt der Stadt Barcelona schreibt mir, dass die Dürre zu strengeren internen Kontrollen beim Wasserverbrauch in den Hotels geführt hat und bestehende Nachhaltigkeitspläne schneller umgesetzt werden mussten. Nach und nach sollen die Hotels mit intelligenten Verbrauchssystemen ausgestattet werden, teils eigene Grauwasser-Recyclingmöglichkeiten erhalten und Wasser, wo es erlaubt ist, zur Bewässerung wiederverwenden.

Ob sie damit für die Zukunft gerüstet sind? Schwer zu sagen. Für uns persönlich beginnt es wohl damit, unsere Erwartungen anzupassen und flexibler auf Veränderungen zu reagieren – etwas, woran ich als vorausplanender Kopfmensch noch arbeiten muss. Und Sie?

Liebe Grüße
Katja Evers

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