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Damit beschäftigt sich Lea Dohm von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit. „Als erstes steht da im Grunde die Frage, ob wir Extremwetterereignisse überhaupt mit Klima in Verbindung bringen“, sagt die Psychologin. Das sei zwar nicht immer spontan möglich, aber insgesamt verstärke die Klimakrise solche Extremwettereignisse und deren Wahrscheinlichkeit. „Und wer sich mit diesem Thema beschäftigt, wird auf diese Tatsache stoßen und dann ist diese Verbindung zum Klima bei äußerem Extremwetter auch innerlich immer relativ nah.“ Kurzum: Den Gedanken ans Klima werden wir dann nicht mehr los. „Das heißt, wir werden dann immer wieder daran erinnert, dass das etwas mit Klima zu tun haben könnte und das wiederum kann in uns Stress auslösen, und zwar insbesondere dann, wenn wir uns persönlich machtlos fühlen“, erläutert Dohm.
Machtlosigkeit ist aber nur eines von vielen Klimagefühlen. Die Emotion, die besonders viele Menschen betrifft, sei die Angst, sagt Andreas Meyer-Lindenberg vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim. Häufig seien auch Wut oder Scham. „Typisch ist, dass sich Menschen von so einer Flut von Nachrichten dann immer stärker in negative Emotionen hineinziehen lassen.“ Dass sie abstumpften, sei eher nicht der Normalfall. Und dennoch: „Es gibt ein ganzes Spektrum von Klimagefühlen“, bilanziert Meyer-Lindenberg.
Dass wir uns an Katastrophenbilder gewöhnen, sei erstmal ganz normal, betont Psychologin Lea Dohm. „Das ist der sogenannte Shifting-Baseline-Effekt. Das heißt, wir gewöhnen uns automatisch an das, was sich um uns herum verändert.“ Was für die eine Generation noch ein Extrem ist, wird so für die nächste zum Normalfall. Ein anderer Grund dafür, dass manche Menschen scheinbar abgestumpft und teilnahmslos wirkten, sei, dass wir im Kampf gegen die Klimakrise etwas verändern müssten, so Dohm. „Veränderungen mögen wir als Menschen oftmals nicht so gerne.“
Die Forschungsbefunde zur Frage, ob wir angesichts der Flut von Katastrophenbildern tatsächlich innerlich abstumpfen, seien gemischt, sagt Clara Kühner vom Wilhelm-Wundt-Institut für Psychologie an der Universität Leipzig. „Es gibt auch andere Befunde, die zeigen, es stärkt vielleicht die Risikowahrnehmung und die Überzeugung, dass der Klimawandel ein Problem ist.“ Man könne nicht pauschal sagen, dass ständige Beschäftigung mit der Klimakrise zu einer völligen Abstumpfung führe.
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