„Ich würde sagen, man sollte den Impact nicht überschätzen, den man mit einem solchen Investment hat“, findet Timo Halbe. Mit einem klimafreundlicheren ETF werde man den Planeten eher nicht retten – aber weniger stark von Umsätzen profitieren, die im Zusammenhang mit Klimaschädlichkeit entstehen. Silke Stremlau sagt, sie sei grundsätzlich kein Fan von nachhaltigen ETFs – gerade weil die Unternehmen oft dieselben seien.
Nach Stremlaus' Ansicht gibt es Investitionen, die deutlich mehr fürs Klima erreichen können: „ELTIF, Infrastrukturinvestments, Direktinvestitionen in Windparks, in Mikrofinanzfonds oder Green Bonds“, zählt sie auf. Die Fachwortdichte legt bereits nahe: Um hier zu investieren, muss man sich ein wenig auskennen. Mittlerweile gebe es gerade im Nachhaltigkeitsbereich eine große Bandbreite an Angeboten – und man könne sich oft von der eigenen Bank beraten lassen.
Gerade im Zusammenhang mit dem Klimawandel gibt es noch einen weiteren Banking-Begriff, den man kennen sollte: „Stranded Assets“, auf Deutsch: gestrandete Vermögenswerte. Das sind Unternehmen, Anlagen oder Rohstoffe, die plötzlich an Wert verlieren, weil sich die Situation verändert. Unternehmen aus dem fossilen Sektor etwa haben schon jetzt höhere Kosten, weil sie CO₂-Zertifikate kaufen müssen. Das belastet die Umsätze dieser Unternehmen. Überschreitet der CO₂-Preis einen gewissen Kipppunkt, führt das dazu, dass die Unternehmen weniger wert sind. Silke Stremlau sagt, sie hätte erwartet, dass dieser Kipppunkt schon viel früher eintrete – aber, dass er eintrete, sei sicher. „Ich nehme das schon so wahr, dass alle Investoren, die sehr mittel- und langfristig denken, den Anteil CO₂-intensiver Unternehmen in ihren Portfolios deutlich reduziert haben.“
|