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Hallo zusammen,
ich hätte es ahnen können. „Du bist doch Biologe“, sagte der Redakteur der Lokalzeitung, in der ich Anfang der 1990er Jahre ein Praktikum machte, „geh mal zu unserem Förster und mach ein Portrait, der Mann geht in Pension.“ Gesagt, getan, das Gespräch war spannend und heraus kam ein Artikel mit der Überschrift: „Schrot für das Rehwild“. Das nämlich hatte der Förster gefordert. Die Rehe richteten zu viel Schaden im Wald an, die Jagd war ihm nicht effektiv genug. Ich gab das so wieder. Es folgten prompt empörte Leserbriefe, besonders aus der Jägerschaft.
Volltreffer. Der alte Fuchs von Förster hatte seinen bevorstehenden Ausstieg aus dem Beruf genutzt, um ein – übrigens bis heute bestehendes – Tabuthema anzusprechen, wohlwissend, dass ihm die wütenden Reaktionen künftig egal sein konnten. Seither weiß ich: Jagd ist ein journalistisches Minenfeld.
Prügel bezieht man von zwei Seiten: von Menschen, die Jagd an sich für verwerflich halten und sie am liebsten ganz abschaffen wollen. Und von Jägern, die überzeugt sind, alles richtig zu machen, obwohl in ihren Revieren keine naturnahe Naturverjüngung möglich ist. Ich bin dennoch überzeugt: Ohne eine bessere Jagd können wir unsere bestehenden Waldlandschaften in der Klimakrise auf Dauer nicht halten. Und weil derzeit gerade die Hauptsaison für Bewegungsjagden ist, die besonders gut helfen, die Wildbestände klimagerecht anzupassen, passt diese Woche prima, um die Jagd mal durch die Klimabrille zu betrachten.
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