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Aber da gibt es ja noch ein Problem. Die Korallenriffe haben nämlich auch mit der höheren Wassertemperatur zu kämpfen. Wie auch in vielen anderen Teilen der Welt, bleichen sie nämlich auch hier zunehmend aus. "Riffbildende Korallen sind ziemlich empfindliche Organismen", erklärt der Jenaer Forscher Voigt. "Sie leben in Symbiose mit Algen, die praktisch im Korallengewebe eingebettet sind." Wenn die Wassertemperaturen längere Zeit über der "Wohlfühltemperatur" der Korallen liege, produzieren diese Algen Gifte. Die Korallen stoßen sie daraufhin ab und bleichen aus. "Sie sind dann noch nicht tot", ergänzt Voigt. Allerdings würden sie empfindlich und könnten ganz absterben.
Würde das Riff unter einem Atoll komplett ausbleichen und absterben, wäre das das Ende für die Insel. "Dann wäre das Wachstum der Riffe so begrenzt, dass die Inseln tatsächlich verschwinden würden", fasst Voigt die Folgen zusammen. Das wäre aber ein sehr langsamer Prozess, ergänzt er. "Das heißt, ich würde nicht davon ausgehen, dass die Inseln innerhalb der nächsten 100 Jahre verschwinden."
Wie steht es also um die Korallenriffe von Tuvalu? Die Antwort auf diese Frage hat der Bremer Korallenforscher Merico. "Der Zustand der Korallenriffe ist zwar gut und die Lage im betroffenen Gebiet nicht dramatisch, aber dennoch besorgniserregend." Eine frische Untersuchung aus diesem Sommer lieferte den Forschenden genauere Daten. Demnach ist das Bild uneinheitlich, sagt Merico. "Einige Riffe auf manchen Inseln scheinen sich zu erholen, andere sind in einem schlechten Zustand. Manche sind sogar vollständig von schädlichen Algen überwuchert", sagt er und ergänzt: "Es wird sich auf einigen Inseln zwar aktiv darum bemüht, die Riffe wieder zu reparieren, aber das braucht Zeit und Geld."
Mericos Fazit: Wo die Korallenriffe leben, werden auch die Atolle nicht gänzlich vom Meer verschluckt. "Solange die Korallen wachsen können, herrscht immer ein natürliches Gleichgewicht zwischen Riffbildung, Riffwachstum, Rifferosion und Riffzerfall." Wenn sie jedoch absterben, dann seien die Kalkstrukturen den physikalischen Prozessen durch Stürme und Wellen ausgesetzt." Das Riff werde durch die Korallendecke geschützt, erklärt Merico. Fallen sie weg, sei das auch das Ende für das Ökosystem – und für die Insel. Da es dann keine schützende Barriere mehr gebe, seien die Atolle den immer extremer werdenden Wetterereignissen schutzlos ausgeliefert. "Wenn sich dieser Prozess beschleunigt, können diese Inseln buchstäblich weggespült werden."
Aber noch ist es nicht zu spät für die Korallenriffe von Tuvalu und überall sonst auf der Welt. "Wir können noch etwas dagegen tun", sagt der Forscher. "Es ist noch genug Zeit und wir können das schaffen." Man könne Schutzgebiete schaffen und sich um die Wiederherstellung von Riffen bemühen. Die Chance dazu sei da. Und seine Forschung habe gezeigt, so Merico, dass auch kleine, lokale Maßnahmen erfolgreich sein können.
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