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#218
vom 14. November 2025

Trockenheit und Niederschlag:
Hat es 2025 genug geregnet?

von Clemens Haug
Hallo miteinander,

die Klimakonferenz in Belém, Brasilien, hat begonnen, und man hofft, dass es trotz Trump und Co. wenigstens kleine Fortschritte geben wird in der Klimapolitik. Denn die Klimaerwärmung schreitet voran und das hat Folgen für alle, auch für Deutschland.

Über eine dieser mutmaßlichen Folgen, wachsende Trockenheit, geringere Niederschläge, möchte ich heute mit Ihnen sprechen. Denn 2025 war insgesamt – glücklicherweise – weniger trocken, als im Frühling viele befürchtet haben. Die Frage bleibt also, ob die Dürrejahre 2018, 2019 und 2022 statistische Ausreißer oder ein Vorgeschmack auf das neue Normal des Klimawandels waren.

Ich habe dazu in den vergangenen Wochen viel recherchiert und dabei gelernt: Hydrologie ist ein wirklich komplexes Feld. Wie Wasser im Boden verteilt sich das Thema in den kleinsten Ritzen, bildet dort weitere Rinnsale und sickert dann manchmal in die Tiefe, wird mitunter aber auch durch andere Prozesse wieder nach oben geholt und verdunstet. War 2025 also zu trocken, zu nass oder genau richtig? Dazu gleich mehr.

MOMENT DER WOCHE

In Australien wird dank reichlich Sonne und riesiger Solarparks während der Mittagszeit regelmäßig viel Strom produziert. In drei Bundesstaaten sollen die Kunden deshalb künftig in dieser Zeit Elektrizität kostenlos nutzen können – und so dazu animiert werden, das Laden der E-Autos oder die Wäsche in diesen Stunden zu erledigen. Rechte: IMAGO/Pond5 Images

Halbe Dürre: Hat es 2025 in Deutschland genug geregnet?

Er hat mal wieder recht behalten: Johannes Franke, Klimatologe vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, hatte vor fast zehn Jahren im Gespräch mit Kollegen und mir über die Entwicklung der Niederschläge gesagt: Durch den Klimawandel würde sich das Gros des Regens von den Frühlingsmonaten in den Sommer verschieben. 2025 lag ziemlich genau innerhalb dieser Prognose. Zum Glück, muss man rückblickend sagen.

Denn nach einem niederschlagsreichen Jahr 2024 endete der Regen Anfang Februar recht abrupt. Zu Beginn war das für Natur und Landwirtschaft kein Problem, sagt Andreas Brömser, Agrarmeteorologe beim Deutschen Wetterdienst im hessischen Offenbach. „Die Landwirte waren sogar durchaus erfreut, dass sie früh im März auf abgetrockneten Böden ihre Sommerkulturen säen konnten.“

Trockener Frühling, alarmierte Landwirte

Als der Regen aber auch im ganzen März und April ausblieb, da änderte sich die Stimmung. Die Zuckerrüben wuchsen schlecht an und auf schwächeren Standorten litt die Wintergerste. Aus Sicht des Deutschen Wetterdienstes war es sogar das trockenste Frühjahr seit Beginn der Aufzeichnungen.
Mitte Juni, Anfang Juli berichteten viele Medien alarmiert über die anhaltende Trockenheit. „Halbjahr so trocken wie nie“, hieß es in der konservativen „Welt“ am 1. Juli. Das Schwesterblatt Bild hatte schon zwei Wochen vorher befürchtet: „Ausgeregnet: Jetzt kommt extreme Hitze.“ Und die Frankfurter Allgemeine Zeitung rechnete am 18. Juni vor, die weltweiten Kosten durch Dürren hätten sich verdoppelt, wenngleich für Deutschland beruhigt wurde: Das Grundwasser sei in gutem Zustand. Zugleich galt das wohl aber nicht für die Gewässer an der Oberfläche. Eine Luftaufnahme des Rheins offenbarte Inseln an Stellen, wo die Pegel so weit gefallen waren, dass der Grund des Flusses sichtbar wurde.

... am Ende ernten sie meist überdurchschnittlich gut

Vier Monate später, im Herbst, kann man sagen, dass der Regen Ende Mai und Ende Juli die Situation beruhigt und die Ernte gerettet hat. „Diese beiden etwas nasseren Phasen haben sehr viele Schäden von der Natur und der Landwirtschaft abgewendet. Die Ernteergebnisse für viele Kulturen sind in diesem Jahr sogar weit überdurchschnittlich ausgefallen“, sagt Andreas Brömser.
Ein Feld in Nordrhein-Westfalen Mitte Mai: Durch die Trockenheit wurchen die Jungpflanzen zunächst kaum. Rechte: IMAGO/Gottfried Czepluch
Trotzdem gibt es regionale Unterschiede. So hat etwa ein breiter Streifen zwischen Ostwestfalen, Niedersachsen und Mecklenburg sehr wenig Regen abbekommen. Hier, sowie in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg sind die Böden auch jetzt im Oktober noch sehr trocken gewesen. Für den Osten ist das allerdings nichts Neues, ist die Region doch schon immer ärmer an Regen gewesen.

Steigende Temperaturen – wachsende Trockenheit

Alles in allem wird 2025 also ein Jahr mit etwas unterdurchschnittlichen Niederschlägen gewesen sein, aber kein extrem trockenes, bilanziert Andreas Brömser. Fügt es sich damit ein in den generelleren Klimatrend?

Auch der Deutsche Wetterdienst geht davon aus, dass es in Deutschland durch die Klimaerwärmung etwas trockener geworden ist. Zwar seien die Niederschlagssummen in etwa gleich geblieben, doch dank mehr Starkregen konzentriere sich das vom Himmel fallende Wasser auf kurze Zeiträume, in denen die Böden gar nicht alles aufnehmen können. Dann fließt mehr Wasser über die Flüsse ab. Zudem verdunstet durch die höheren Durchschnittstemperaturen mehr Feuchtigkeit aus den Böden. „Mit jedem Grad Celsius mehr steigt die Verdunstung um sieben Prozent. Damit die Bodenfeuchte konstant bleibt, müsste es sieben Prozent mehr regnen. Aber dieses Plus an Niederschlag, das sehen wir bislang nicht“, sagt der Agrarmeteorologe.

Den Landwirten rät er zu den bekannten Gegenmaßnahmen: den Boden vor dem Säen nicht pflügen und die Erde möglichst ganzjährig mit Pflanzen bedeckt halten.
Ich habe häufig Aussagen gelesen wie: Uns fehlen ein bis zwei Jahresniederschläge. Wenn man sich mit dem Wasserhaushalt auskennt, weiß man: Das ist Quatsch!
Dr. Andreas Marx, UFZ
Ob es langfristig in Deutschland noch trockener wird, daran zweifelt Andreas Marx. Der Hydrologe leitet das Mitteldeutsche Klimabüro am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Seine Forschungsgruppe betreut den berühmten Dürremonitor. Befragt man ihn zu den Dürren der vergangenen Jahre und zum Wasser im Boden, kann man schnell lernen, wie komplex das Thema ist. „Ich habe häufig Aussagen gelesen wie: Uns fehlen ein bis zwei Jahresniederschläge. Aber wenn man sich mit dem Wasserhaushalt auskennt, weiß man: Das ist Quatsch.“

Verdunstung und Austrocknung: Keine linearen Prozesse

Marx erklärt, dass Niederschläge und Verdunstung nicht zwei Richtungen in derselben Gleichung darstellen. „Es gibt Gewinnterme, die beschreiben den hereinkommenden Niederschlag. Und es gibt Verlustterme, die unter anderem die Verdunstung des Wassers berechnen.“ Als die Hydrologen Messerwerte aus dem extrem heißen und trockenen Jahr 2018 analysierten, da stellten sie fest: In einigen Regionen war die Verdunstung nur halb so hoch, wie normal. „Es war einfach kein Wasser an der Oberfläche, das verdunstet werden konnte.“ Ähnlich verhält es sich mit den Flüssen. Bei längerer Trockenheit führen viele von ihnen Niedrigwasser. „Das bedeutet aber, dass auch weniger Wasser aus den Regionen abgeführt wird.“
Der Wasserhaushalt: Ein komplexes System mit zahllosen Wechselwirkungen. Rechte: MDR/Mildner
Im Ergebnis heißt das: In sehr nassen Jahren mit nassen Böden und vollen Flüssen fließt wesentlich mehr Wasser ab als in trockenen Jahren, in denen die Wasserstände mitunter so weit fallen, dass das Wasser im Boden gar nicht mehr abfließen oder verdunsten kann. Und das bedeutet, dass nicht exakt die fehlende Menge Regen fallen müsse, um ein Defizit auszugleichen, sondern 40 bis 50 Prozent mehr Niederschlag schon ausreichend seien.

Menschen allerdings können diese Mechanismen wirksam aushebeln durch ihre Wassernutzung. Denn wenn Landwirte oder Industriebetriebe in trockenen Zeiten mit Brunnen und Pumpen mehr Grundwasser aus den tieferen Schichten im Boden holen, entsteht durchaus ein Problem. "Wir haben in Deutschland etwa drei Prozent der landwirtschaftlichen Fläche unter Beregnung", sagt Marx. „Da, wo beregnet wurde, gehen wir davon aus, dass in den trockenen Jahren 2018 bis 2020 die Wasserrechte übernutzt worden sind.“

Kleine Privatleute müssen Wasserverbrauch einschränken – die Industrie aber nicht

Doch wie groß ist das dadurch entstandene Defizit im Boden? Die Forschenden wissen es nicht, denn bislang haben die Behörden nicht geprüft, ob Wasserrechte ausgeschöpft werden. „Das war in der Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg noch nie notwendig“, sagt Marx.

Inzwischen führt das zur paradoxen Situation, dass bei anhaltender Trockenheit praktisch nur private Verbraucher mit Wasserentnahmeverboten reguliert werden, die etwa ihre Gärten bewässern wollen. „Die sind normalerweise, aber gar nicht die großen Wassernutzer. Industrieunternehmen haben dagegen Wasserrechte bekommen, die sich bislang kaum oder gar nicht einschränken lassen.“
Etwa drei Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland werden beregnet. Rechte: IMAGO/Daniel Kubirski
Das bedeutet, ganz unabhängig davon, ob das Klima in Deutschland in den kommenden Jahren trockener wird oder nicht: Beim Management der Wasserressourcen besteht in jedem Fall Reformbedarf.
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DIESE WOCHE IN DER KLIMAZEIT

Das Weltklima auf der Kippe und: Klimaschutz praktisch – die Schwammstadt

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Termine

  • 15.11. — PRIO-1 Klima-Event mit Preisverleihung (Mannheim)
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  • 16.-17.5. — Klimazukunftskonferenz 2025 (Berlin)
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News

Boom bei Wärmepumpen
Der Streit um das Heizungsgesetz 2023 war der Anfang vom Ende der Ampel-Koalition. Eines der Symbole für eine angeblich ideologische und verfehlte Klimapolitik: die Wärmepumpe. Sie sei zu teuer und für Altbauten nicht geeignet, lauteten zwei häufig vorgebrachte Vorbehalte – die nun aber offenbar nicht länger verfangen. In der ersten Hälfte des Jahres 2025 wurden erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft, teilte der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie kürzlich mit. Und besonders beliebt sind Wärmepumpen ausgerechnet in Mitteldeutschland, wo Wahlberechtigte bekanntlich besonders selten ihr Kreuz bei Parteien machen, die für mehr Klimaschutz werben. Wirtschaftliche Motive sind dafür umso stärker: Da die Anschaffung von Wärmepumpen aktuell gefördert wird, sind sie nicht sehr viel teurer als eine Gasheizung. Im Betrieb kosten sie dagegen deutlich weniger, umso mehr, wenn sie auch noch mit dem Strom einer Solaranlage auf dem Dach betrieben werden können. (MDR WISSEN)
Züge: EU will Hochgeschwindigkeitsnetz für Europa
Die Europäische Kommission will den Zugverkehr in Europa deutlich beschleunigen. Bis 2040 sollen zahlreiche Verbindungen zwischen den großen Metropolen mindestens auf Tempo 200 ausgebaut werden. Das soll etwa die Reisezeiten zwischen Berlin und Kopenhagen auf vier und zwischen München und Rom auf sechs Stunden verkürzen und auch Verbindungen wie Berlin, Prag und Wien erheblich verbessern. Zwischen 345 und 546 Milliarden Euro könnte das Vorhaben kosten, finanziert werden soll es mit Krediten privater Geldgeber und der Europäischen Investitionsbank. (tagesschau)
Weiterer Anstieg der globalen CO₂-Emissionen
Will die Menschheit die globale Erwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau begrenzen, dann darf sie nur noch eine bestimmte Menge CO₂ ausstoßen. Doch dieses globale CO₂-Budget könnte durch den weiteren Anstieg der Emissionen schon vor 2030 aufgebraucht sein. Eine große internationale Forschungsgruppe um Pierre Friedlingstein von der University of Exeter berichtet im Fachjournal „Earth System Science Data“, dass die weltweiten Emissionen 2025 voraussichtlich auf 38,1 Milliarden Tonnen ansteigen. Das sind etwa 300 Millionen Tonnen mehr als im Vorjahr. Ein Wachstum gab es bei allen fossilen Brennstoffen: Kohle (+0,8 Prozent), Erdöl (+1,0 Prozent) und Erdgas (+1,3 Prozent). Demnach dürfte der Ausstoß in den USA im Vergleich zum Vorjahr um 1,9 Prozent steigen, in Indien um 1,4 Prozent, in China und in der Europäischen Union jeweils um 0,4 Prozent. (tagesschau)

ARD, ZDF und DRadio

Klimaneutral bis 2045 – aber wie?

Wie schaffen wir es, die Emissionen so weit zu reduzieren, dass die Erderwärmung eingedämmt wird? 👉 ARD Audiothek

Digitalisierung der Bahn hat Verspätung

Das europäische elektronische Zugkontrollsystem soll den Bahnverkehr verbessern, doch Deutschland hinkt hinterher. Warum? 👉 Deutschlandfuk

Ackerbau der Zukunft in Brandenburg

Landwirte und Forschende testen neue Strategien für den Ackerbau unter Bedingungen des Klimawandels 👉 Deutschlandfunk Kultur

👋 Zum Schluss

Ob sich unter der diesjährigen Klimakonferenz eine ähnlich beruhigende Schlussbilanz ziehen lässt, wie unter das Landwirtschaftsjahr, das erfahren Sie an dieser Stelle in der kommenden Woche von meiner Kollegin Inka Zimmermann. Vorerst wünsche ich uns allen mehr gute Nachrichten.

Herzliche Grüße
Clemens Haug

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