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Es ist einer dieser Tage, an denen es im Münsterland aus der Horizontalen regnet, der Südwestwind sich von seiner sadistischen Seite zeigt und der goldene Herbst nur noch ein Schattenbild seiner selbst ist. Sagen wir es so: Es könnte schlimmere Gegenden geben, genau jetzt im Sattel zu sitzen. Und es muss ja, denn es fährt kein Zug nach Wettringen – in die fahrradfreundlichste Gemeinde Deutschlands. Wer den 8.500-Seelen-Ort erreichen möchte, dem bleiben nur Pkw, Bus und eben das Rad. Dass es an Tagen wie diesen, an denen dem Herbst auch mit viel Wohlwollen keine Romantik mehr abzugewinnen ist, dabei nicht zur berüchtigten Lkw-Dusche kommt, dafür sorgen abgetrennte Radwege auch im Überlandverkehr, das ist gleich die erste Überraschung. Und die zweite: Meistens gibt es mehr als einen.
Dass es ohne Auto eben nicht geht, ist eine geflügelte Feststellung im ländlichen Raum. Wer aber hier, im westlichen Teil des Landkreises Steinfurt, zur Arbeit pendelt, schafft das im Bedarfsfall ohne Wagen. Ganzjährig. Einer dieser Zweiradpendler ist Dietmar Roling, Leiter des Ordnungsamtes in Wettringen. Am Ende des Arbeitstags hat er zwanzig Kilometer auf dem Tacho. „Wenn die Temperaturen einigermaßen erträglich sind, dann ist das auch kein Thema.“ Und wenn die herbstlichen Orkantiefs nicht alles geben. Roling radelt durch eines der Wettringer Wohngebiete in rotbrauner Backsteinmanier, Tempo dreißig oder weniger ist hier eine Selbstverständlichkeit, Stichwege bieten eine gute und schnelle Anbindung an den Ortskern.
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