|
Immerhin hat es für mich den praktischen Vorteil, dass ich ohne kalte Finger, stattdessen mit T-Shirt und Sonnenhut im Weinberg stehen kann. Nina arbeitet in der Rebzeile neben mir, so können wir uns durch die Blätterwand hindurch unterhalten, während wir die Trauben von den Merlot-, Cabernet Sauvignon- und Syrah-Reben scheiden. Wagners nennen diese Sorten „die Südfranzosen“. Und dass sie seit einigen Jahren auch in Rheinhessen zu guten Tropfen werden, hat einen Grund, sagt Nina: „Es ist ein Stück weit so, dass wir hier das Klima haben, das vor 30 Jahren in Regionen wie dem Bordeaux-Gebiet war.“
So stehen die Weinberge der Wagners in Essenheim exemplarisch für den gesamten deutschen Weinbau: Steigende Temperaturen machen den Anbau anderer Rebsorten möglich. Denn jede Rebsorte hat ihre eigene Wohlfühltemperatur. So nenne ich das, offiziell spricht man vom Huglin-Index. Ein Wert, für den „die Temperatursumme oberhalb von 10 Grad für den Zeitraum vom 1. April bis 30. September addiert (wird), wobei auch die geographische Breite Berücksichtigung findet“, schreibt der Deutsche Wetterdienst.
Jede Rebsorte hat, soll sie erfolgreich angebaut werden, ihren eigenen Huglin-Index. Und wenn der, wie in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland geschehen, immer weiter ansteigt, dann ist es kaum verwunderlich, dass auch die Rebfläche für Sorten mit einem hohen Huglin-Index wie Merlot und Cabernet Sauvignon stark ansteigt.
|