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Gr├╝ne Fl├Ąche mit leichtem Farbverlauf und Text Das MDR Klima-Update
Ausgabe #137
vom Freitag, 19. April 2024

Verfehlte Ziele und ein neues Gesetz: Da l├Ąuft was verkehrt beim Verkehr

von Kristin Kielon

Hallo zusammen,

also ich hab ja direkt das Fahrrad fit gemacht und mich schon fast ein bisschen darauf gefreut, mal ├╝ber die Autobahn zu radeln ÔÇô so wie Anfang der 1970er Jahre an den autofreien Sonntagen w├Ąhrend der ├ľlkrise. Die Bilder von radelnden Menschen auf der leeren Autobahn fand ich schon immer faszinierend. Aber das wird nun nichts, die Sonntagsausfahrt ├╝ber die A14 ist abgesagt. Zum Gl├╝ck ÔÇô werden Sie da jetzt vielleicht sagen, aber seien wir mal ehrlich: So richtig ernst war die Drohung von Bundesverkehrsminister Volker Wissing nicht zu nehmen. Keine Fahrt f├╝r freie B├╝rger! Was h├Ątte das denn f├╝r eine Krise im Land der Autofahrer gegeben? So viel sprichw├Ârtlichen Popo in der Hose h├Ątte Wissing meiner bescheidenen Meinung nach wohl nicht gehabt. Clever war der Schachzug aus politischer Sicht vermutlich trotzdem. Und damit hei├čt es jetzt, neues Klimaschutzgesetz statt Sofortprogramm zur CO2-Reduktion.

Der Verkehr d├╝rfte damit auch k├╝nftig eines der gro├čen Problemfelder bleiben. Erst Anfang der Woche gab es dazu ja deutliche Worte vom Expertenrat f├╝r Klimafragen. Das Sachvest├Ąndigengremium hat in seinem Pr├╝fbericht zu den Emissionsdaten des Umweltbundesamtes festgestellt: 2023 hat der Verkehrssektor das dritte Jahr in Folge sein Klimaziel deutlich verfehlt. Statt den erlaubten 133 Millionen Tonnen Treibhausgase sind demnach im vergangenen Jahr 146 Millionen Tonnen ausgesto├čen worden.

Schauen wir uns das Ganze also heute mal etwas genauer an. Was war da los in Sachen politische Muskelspiele? Warum das ganze Drama um m├Âgliche Fahrverbote? Und was w├Ąre wirklich n├Âtig, um den Verkehrssektor klimafreundlicher zu machen? Fakt ist n├Ąmlich, dass sich mit dem neuen Klimagesetz und dem Wegfall der Budgets f├╝r die einzelnen Sektoren das Problem mit dem Verkehr nicht pl├Âtzlich in emissionsneutrale Luft aufl├Âst.

Aber erstmal ein Blick auf die ÔÇŽ

#´ŞĆÔâú Zahl der Woche

19

ÔÇŽ Prozent - also rund um ein F├╝nftel - wird die Weltwirtschaft durch die Folgen der Klimaerw├Ąrmung bis zur Mitte des Jahrhunderts schrumpfen. Das geht aus Berechnungen des Potsdam-Instituts f├╝r Klimafolgenforschung (PIK) hervor. Demnach drohen auch bei einer drastischen Senkung der Emissionen global rund 38 Billionen US-Dollar Sch├Ąden pro Jahr infolge der bisher ausgesto├čenen Treibhausgase. Besonders stark betroffen sind den Forschenden zufolge die ├Ąrmsten und am wenigsten f├╝r den Klimawandel verantwortlichen L├Ąnder in S├╝dasien und Afrika. F├╝r Deutschland prognostizieren sie - ebenso wie f├╝r die USA - bis zur Mitte des Jahrhunderts ein Schrumpfen der Wirtschaft um elf Prozent, verglichen mit einem Szenario ohne Klimafolgen. Allerdings: Wenn es nicht gelinge, die globale Erw├Ąrmung auf unter zwei Grad zu begrenzen, drohten noch viel h├Âhere Verluste. 

Das lange Ringen um das Sorgenkind Verkehr - und was dem Sektor wirklich helfen w├╝rde

Das war er also, der gro├če Coup von Bundesverkehrsminister Volker Wissing: Wenn das neue Klimaschutzgesetz nicht endlich komme, dann werde es ab dem Sommer Fahrverbote an den Wochenenden geben m├╝ssen, so die unverhohlene Drohung. Aber Moment mal: FDP-Mann Wissing will ein neues Klimaschutzgesetz? Klingt vielleicht ├╝berraschend, ist es aber bei genauerem Hinsehen ├╝berhaupt nicht. Denn das Gesetz sieht die Abschaffung von Sektorenzielen vor und definiert nur noch ein Gesamtziel. Das hei├čt also f├╝r Wissings Verkehrssektor, dass die anderen ausgleichen k├Ânnen, was er nicht einspart.

Was bisher geschah: Das gro├če Zerren um die Budgetfrage

Aber wie konnte es soweit kommen? Das bisher g├╝ltige Klimaschutzgesetz stammt noch von der Vorg├Ąngerregierung. Darin sind Zielvorgaben f├╝r die Sektoren vorgegeben. Bisher gilt, wenn einzelne Sektoren wie der Verkehrs- oder Geb├Ąudebereich die gesetzlichen Vorgaben zum CO2-Aussto├č verfehlen, m├╝ssen die zust├Ąndigen Ministerien Sofortprogramme vorlegen. Und der Verkehrssektor hat sein Ziel verfehlt ÔÇô und zwar seit Jahren. Deutschland gebe sich noch nicht einmal M├╝he, die Ziele zu erreichen, lautete bereits vor zwei Jahren das Urteil des Expertenrats Klima. Verkehrsminister Wissing kassierte eine glatte Sechs f├╝r sein Sofortprogramm von dem Sachverst├Ąndigengremium.

Ein angemessenes Sofortprogramm aus dem Verkehrsministerium gibt es bis heute nicht. Was es stattdessen gab, war viel Streit in der Ampel-Koalition ├╝ber das Thema. Die Minister Volker Wissing (FDP) und Robert Habeck (Gr├╝ne) bekriegten sich ├╝ber Wochen. Der Vorwurf: Der Liberale liefere kein tragf├Ąhiges Programm, wie er die riesige L├╝cke beim CO2-Aussto├č im Verkehr schlie├čen will. Und Wissing keilte zur├╝ck: Er habe das bereits getan, jetzt sei Habeck mit konkreten Regelungen gefragt. Schon in der Hochphase des Streits Anfang vergangenen Jahres mahnte der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages, dass das Ausbleiben des Sofortprogramms ein Rechtsversto├č sei. 

Im Juni vergangenen Jahres dann die Einigung: Die Ampelkoalition vereinbarte einen Kompromiss und brachte eine Reform des Klimaschutzgesetzes auf den Weg. Damit soll die Einhaltung der Klimaziele k├╝nftig nicht mehr r├╝ckwirkend nach Sektoren kontrolliert werden, sondern in die Zukunft gerichtet, mehrj├Ąhrig und sektor├╝bergreifend. Wenn sich in zwei aufeinander folgenden Jahren abzeichnet, dass die Bundesregierung bei ihrem Klimaziel nicht auf Kurs ist, muss sie nachsteuern.

Mit der Gesetzesnovelle folgt die Ampel einem Denkansatz, der auf eine Kosten-Nutzen-Rechnung abzielt. Bef├╝rworter argumentieren, dass jahresgenaue Sektorziele zu Aktionismus und ineffizienten Ma├čnahmen h├Ątten f├╝hren k├Ânnen, die hohe Kosten verursachen, aber wenig Nutzen bringen. Es m├╝sse weniger um Sofortprogramme als um den langfristigen technischen Umstieg gehen, erkl├Ąrte etwa Wirtschaftsforscherin Karen Pittel vom ifo Institut M├╝nchen bei der Tagesschau. Andere Akteure sehen in diesem Denkansatz allerdings eine Verw├Ąsserung der Klimaziele. So sagte etwa Martin Kaiser von Greenpeace Deutschland: "Unsere Hauptkritik ist, dass damit die rechtliche Verbindlichkeit f├╝r die einzelnen Sektoren ausgehebelt wird. Und im Wesentlichen Herr Wissing f├╝r seine Verkehrspolitik eine Lizenz zum Nichtstun bekommt."

Doch die Verhandlungen ├╝ber die Gesetzesnovelle haben sich seit der Entscheidung f├╝r die Reform hingezogen. Insbesondere die Gr├╝nen hatten es dem Vernehmen nach offenbar nicht eilig. Strittig war demnach lange, welche Verantwortlichkeiten die Ressorts k├╝nftig noch haben, falls die Zielvorgaben bei der CO2-Einsparung verfehlt werden. Doch mit Wissings Fahrverbot-Drohung ist Schwung in die Sache gekommen: Nach der Einigung soll schon in der kommenden Woche ├╝ber das neue Klimaschutzgesetz abgestimmt werden. Es sieht dann eine Gesamtreduktion von 65 Prozent der Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 und 88 Prozent der Emissionen bis 2040 vor.

Wissing kann also zun├Ąchst aufatmen. Und das, obwohl der Expertenrat f├╝r Klimafragen erst am Montag verk├╝ndet hatte, dass die Klimaziele im Verkehrssektor im vergangenen Jahr erneut deutlich verfehlt wurden. Statt der erlaubten 133 Millionen Tonnen CO2-├äquivalente sind 2023 146 Millionen Tonnen ausgesto├čen worden, also 13 Millionen Tonnen zu viel. Nach aktueller Gesetzeslage h├Ątte er also jetzt schnellstm├Âglich ein Sofortprogramm vorlegen m├╝ssen. Mit der baldigen Verabschiedung der Reform d├╝rfte sich das er├╝brigen.

EU-Lastenteilung: Wer nicht spart, muss zahlen

Doch ganz vom Tisch sind die Sektorenziele damit noch nicht. Denn es gibt da auch noch die Europ├Ąische Union und ihren ambitionierten Green Deal. Und deshalb ist ein Ausgleich der hohen Emissionen im Verkehrssektor nur begrenzt m├Âglich, weil zus├Ątzlich zum deutschen Klimaschutzgesetz auch die Regelung der "Effort Regulation" auf europ├Ąischer Ebene gilt ÔÇô also der Lastenteilung in der EU. Die Lastenteilungsverordnung schreibt vor, welche Ziele die Mitgliedstaaten jeweils unter Ber├╝cksichtigung ihrer Wirtschaftskraft erreichen m├╝ssen. ├ťberschreitet Deutschland die EU-Sektorenziele dann drohen Strafzahlungen aus Br├╝ssel. Fachleute rechnen mit Summen im zweistelligen Milliardenbereich, die in der zweiten H├Ąlfte der 2020er-Jahre f├Ąllig werden. "Wir d├╝rften so in der Gr├Â├čenordnung 10 bis 20 Milliarden an Kosten f├╝r den deutschen Staatshaushalt liegen, die wir im Rahmen der Regulation an andere EU-L├Ąnder ├╝berweisen m├╝ssen", sch├Ątzt etwa Peter Kasten vom ├ľko-Institut in Berlin. Ab dem Jahr 2027 muss Deutschland auch Rechte zum Aussto├č von Treibhausgasen kaufen. Der Druck auf den Verkehrssektor bleibt also erhalten.

Expertenrat f├╝r Klimaschutz best├Ątigt Emissionsr├╝ckgang

Nur der Verkehrssektor hat die Zielvorgaben deutlich verfehlt, so das Gremium.
Was getan werden m├╝sste: Diese Empfehlungen hat die Wissenschaft

Nach seinem Dr├Ąngen auf die Reform des Klimaschutzgesetzes dr├Ąngt sich Beobachtenden der Eindruck auf, dass Wissing jetzt vor allem auf den Ausgleich der h├Âheren Emissionen seines Sektors durch die anderen setzt. Doch das ist nicht nur EU-rechtlich problematisch - Fachleute halten es auch f├╝r unrealistisch. Meike Jipp, Direktorin des Instituts f├╝r Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum f├╝r Luft- und Raumfahrt, verweist darauf, dass sich auch die anderen Verbrauchssektoren gro├čen Herausforderungen gegen├╝bersehen. "Wenn keine weiteren Ma├čnahmen ergriffen werden, erscheint es wenig plausibel, dass die zu erwartenden Zielverfehlungen des Verkehrs in den n├Ąchsten Jahren durch die anderen Sektoren ausgeglichen werden k├Ânnen."

Aber was w├Ąre zu tun, um die Emissionen beim Verkehr deutlich zu senken und das am besten schnell? Bundesverkehrsminister Wissing hatte ja behauptet, um das Sektorziel f├╝r 2024 zu erreichen, brauche es deutlich weniger Pkw- und Lkw-Fahrleistung. Klingt naheliegend, denn der Stra├čenverkehr macht den L├Âwenanteil in diesem Bereich aus. Doch die Reduktion sei "nur durch restriktive und der Bev├Âlkerung kaum vermittelbare Ma├čnahmen wie fl├Ąchendeckende und unbefristete Fahrverbote an Samstagen und Sonntagen m├Âglich", so Wissing. Das stimmt so nicht, hatten die Gr├╝nen entgegnet. Und auch die Fachleute aus der Wissenschaft priorisieren andere Optionen. 

Tempolimit

Das Tempolimit sei aus wissenschaftlicher Sicht eine fantastische Ma├čnahme, sagt Patrick Pl├Âtz vom Fraunhofer-Institut f├╝r System- und Innovationsforschung. "Es adressiert sofort den gesamten fossilen Pkw-Bestand und es kostet ├╝berhaupt kein Geld", so der Forscher. "Man hat gleichzeitig weniger Unf├Ąlle, besseren Verkehrsfluss, weniger Schadstoffbelastung - alles kostenlos und sofort umsetzbar. Das ist also ein Traum von einer Ma├čnahme."

Das Tempolimit habe au├čerdem schon eine breite Akzeptanz in der Bev├Âlkerung, erkl├Ąrt Stefan G├Âssling von der School of Business and Economics an der Linnaeus University im schwedischen Kalmar. Allerdings gebe es bei diesem Thema eine sehr laute Minderheit, die sehr weit gehen w├╝rde, um das Tempolimit zu verhindern. "Wir wissen aus unserer Forschung, dass das tats├Ąchlich so ein wichtiges Thema ist f├╝r manche Menschen, dass sie ihr Wahlverhalten daran festmachen. Das hei├čt, wenn im Moment eine Weigerung stattfindet von der FDP ein Tempolimit einzuf├╝hren, dann appelliert man damit sicherlich an einige spezielle Zielgruppen", so G├Âssling.

Umbau klimasch├Ądlicher Subventionen

Ob es das Dienstwagenprivileg ist oder die Pendlerpauschale: Viele der Subventionen im Verkehrssektor f├Ârdern aktuell den fossilen Stra├čenverkehr. Fraunhofer-Forscher Pl├Âtz zufolge f├Ârdert der Staat teilweise bis zu einem Euro pro Liter Benzin statt die fossilen Energietr├Ąger unattraktiver zu machen. Er empfiehlt deshalb einen klimafreundlichen Umbau dieser Subventionen. Bisher seien die Abgaben- und Steuersysteme im Verkehrssektor n├Ąmlich noch ├╝berhaupt nicht am Klimaschutz ausgerichtet. "Steuervorteile sollten wirklich nur noch f├╝r klimafreundliche Alternativen zur Verf├╝gung stehen", fordert Pl├Âtz.

Stefan G├Âssling regt die Einf├╝hrung von Mobilit├Ątsbudgets an, um den Umbau der bisherigen Subventionen sozialvertr├Ąglich zu gestalten. Dann, so der Experte, w├╝rde die Ma├čnahme sicher von der Mehrheit der Bev├Âlkerung auch unterst├╝tzt.

Schnelle Elektifizierung des Stra├čenverkehrs

In Deutschland ist der Verkehr stark auf die Stra├če fixiert. Und solange es keine deutliche Verkehrswende hin zu klimafreundlicheren Alternativen gibt, erkl├Ąrt Forscher Kasten, m├╝sse man an der Elektrifizierung der Fahrzeuge arbeiten. ÔÇ×Man muss die Stra├čenfahrzeuge dann emissionsfrei fahren lassenÔÇť so Kasten. Durch die Elektrifizierung k├Ânnten seinen Untersuchungen zufolge recht schnell erhebliche Minderungen beim Treibhausgas-Aussto├č erreicht werden.

"Es gibt einen sehr breiten Konsens ├╝ber viele wissenschaftliche Studien hinweg, dass nachhaltiger Stra├čenverkehr von direkter Stromnutzung dominiert werden wird", erg├Ąnzt Pl├Âtz. "Es ist klar machbar. Es ist die g├╝nstigste und am schnellsten umsetzbare L├Âsung." Und E-Fuels? Die gebe es einfach nicht in irgendeinem relevanten Umfang, sagt der Fraunhofer-Forscher. "Das ist so ein bisschen wie ├╝ber Feenstaub reden: K├Ânnten wir statt Auto zu fahren irgendwie Einhorn fliegen?"

Ausbau des ├Âffentlichen Verkehrs und der Radinfrastruktur

Langfristig muss es das Ziel sein, eine strukturelle Wende im Verkehr hinzubekommen, sind sich die Fachleute einig. Dazu braucht es einen Ausbau der ├Âffentlichen Verkehrssysteme und eine bessere Radinfrastruktur. Dazu brauche es aber zun├Ąchst erhebliche Investitionen. Forscher G├Âssling w├╝nscht sich, dass die Kommunen "mehr nach vorne denken" w├╝rden beim Thema Mobilit├Ąt. So seien etwa Radnetze in St├Ądten, die allein von Radfahrern genutzt werden d├╝rfen, ein gutes Instrument, um Menschen den Umstieg zu erleichtern. Im europ├Ąischen Ausland gebe es gute Beispiele, von denen Deutschland lernen k├Ânne. Aber vor allem d├╝rfe Verkehrspolitik keine Industriepolitik mehr sein, mahnt G├Âssling. Immer wieder seien Verkehrsminister sp├Ąter in die (Auto-)Industrie gewechselt. Aber diese Klientelpolitik schade der Verkehrswende.

Ohne Limit - Warum d├╝rfen wir noch rasen?

Seit Jahrzehnten wird ├╝ber ein Tempolimit diskutiert - ergebnislos. W├Ąre es wirklich eine Einschr├Ąnkung pers├Ânlicher Freiheiten? Und welche Rolle spielt die Auto-Industrie in der Debatte?

­čŚô Klimatermine

Noch bis 27. April ÔÇô Leipzig

"Leipzig putzt sich raus": In der Messestadt findet aktuell der gro├če Fr├╝hjahrsputz statt. Dabei sind alle Einwohnerinnen und Einwohner, aber auch Vereine oder Unternehmen aufgerufen, Reinigungsaktionen zu starten. Wer selbst mit Hand anlegen und mit M├╝llt├╝te und Greifzange durch Parks und Stra├čen ziehen m├Âchte, findet alle Infos hier.

Noch bis 27. April ÔÇô Sachsen

In zahlreichen Orten in Sachsen finden noch bis zum kommenden Wochenende die S├Ąchsischen Energietage statt. Im Fokus stehen dabei die erneuerbaren Energien und Interessierte k├Ânnen seltene Einblicke bekommen - etwa in Solar- und Windparks oder die Batterie-Herstellung. Aber auch Diskussionen, Vortr├Ąge, Lesungen oder Exkursionen stehen noch auf dem Programm. Mehr dazu hier. 

26. bis 27. April ÔÇô taucha

Die Klima-Initiative Taucha veranstaltet am letzten April-Wochenende die 2. Tauchaer Klima-Konferenz. Dieses Mal widmet sie sich dem Thema Bauen und Wohnen. F├╝r Interessierte gibt es Vortr├Ąge, Fachleute stehen Rede und Antwort und auch Exkursionen stehen auf dem Plan. Hier gibt es mehr Informationen.

­čô░ Klimaforschung und Menschheit

Pflanzen beeinflussen Klima bedeutend

Das Klima wirkt sich nicht nur auf Pflanzen aus, sondern Pflanzen beeinflussen auch das Klima. Eine Studie der Martin-Luther-Universit├Ąt Halle-Wittenberg (MLU) hat sich des Themas angenommen, wie und wie stark die Vegetation auf das Klima wirkt und herausgefunden: Gut f├╝nf Prozent der regionalen Klimaregulation lassen sich durch die Pflanzenvielfalt vor Ort erkl├Ąren. Besonders positiv wirke sich aus, wie dicht die Vegetation an einer Stelle ist, wie viel Wasser die Flora verdunsten l├Ąsst und wie viel Kohlenstoffdioxid sie binden kann. Au├čerdem gebe es Unterschiede zwischen den ├ľkosystemen, beispielsweise zwischen Nadel- und Laubw├Ąldern.

Mehr dazu lesen Sie bei MDR Wissen.

Leopoldina pl├Ądiert f├╝r CO2-Speicherung an Land

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina empfiehlt der Bundesregierung, k├╝nftig auch Standorte an Land f├╝r die Speicherung von CO2 zu erschlie├čen. Bislang hatte man haupts├Ąchlich den Meeresgrund als "Endlager" f├╝r klimasch├Ądliches Kohlenstoffdioxid in Erw├Ągung gezogen. Diese geplante Beschr├Ąnkung sei lediglich Ausdruck einer Vermeidung von politischen Auseinandersetzungen, so die Aussage der Leopoldina: "Gegen die unterirdische Speicherung von CO2 auf dem Festland spricht aus wissenschaftlicher Sicht nichts, wenn sorgf├Ąltige Erkundung, transparente Standortwahl und fortlaufendes Monitoring gew├Ąhrleistet werden." In der Vergangenheit hatte es Widerst├Ąnde gegen die Technologie von Umweltverb├Ąnden gegeben, einige davon sind aber inzwischen bei diesem Thema umgeschwenkt.

Die Stellungnahme der Leopoldina finden Sie hier. 

Ozeanerw├Ąrmung: schlimmste jemals beobachtete Korallenbleiche

Korallenriffe auf der ganzen Welt erleben seit dem vergangenen Jahr eine Massenbleiche. Der US-Wetter- und Ozeanografiebeh├Ârde NOAA zufolge handelt es sich um die vierte globale Korallenbleiche seit Beginn der Aufzeichnungen und um die zweite innerhalb von zehn Jahren. Wenn die Weltmeere weiter so warm bleiben, so der Bericht, drohten gro├če Teile dieser ikonischen Lebensr├Ąume g├Ąnzlich abzusterben. Am Great Barrier Reef in Australien seien inzwischen mehr als 60 Prozent der Riffe von der derzeitigen Bleiche betroffen und erste Zeichen von Mortalit├Ąt seien ebenfalls zu beobachten. Die globale Meeresoberfl├Ąchentemperatur liegt nach Daten der Plattform "Climate Reanalyzer" der University of Maine inzwischen schon seit mehr als einem Jahr an jedem einzelnen Tag auf dem h├Âchsten Tagesstand seit Messbeginn vor rund 40 Jahren. 

Mehr ├╝ber die Folgen dieser Korallenbleiche bei NANO in der 3Sat-Mediathek.

Forschende kritisieren geplante Anpassung der EU-Agrarpolitik scharf

Als Reaktion auf die europaweiten Bauernproteste hat die EU-Kommission eine Anpassung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) vorgeschlagen. Dabei sollen auch Umweltstandards f├╝r Landwirte aufgeweicht werden. Forschende bef├╝rchten deshalb eine Gefahr f├╝r den Green Deal und die Biodiversit├Ąt. Die Beschl├╝sse der Kommission st├╝nden im krassen Gegensatz zum Stand der Wissenschaft, sagte etwa Katrin B├Âhning Gasse vom Institut f├╝r ├ľkologie, Evolution und Diversit├Ąt der Goethe-Universit├Ąt Frankfurt am Main: "Die geplanten Entscheidungen der EU k├Ânnen f├╝r jede Wissenschaftlerin und jeden Wissenschaftler mit Expertise in diesem Bereich nur mit Entsetzen zur Kenntnis genommen werden. Hier werden viele positive Entwicklungen unter dem Green Deal zur├╝ckgenommen. Das ist ein gro├čer Schritt r├╝ckw├Ąrts ÔÇô mit potenziell dramatischen Folgen f├╝r die Ern├Ąhrungssicherung und auf Kosten des Wohlergehens der Menschen."

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Dubai-├ťberschwemmungen durch Wolkenimpfungen? Fachleute dementieren

Die wiederholt starken Regenf├Ąlle in Dubai sind nicht auf die im Emirat praktizierten Wolkenimpfungen zur├╝ckzuf├╝hren, das vermelden zahlreiche Medien. Nach den Ereignissen in dieser Woche hat sich in sozialen Netzwerken die Annahme verbreitet, das auch Cloud Seeding genannte Verfahren h├Ątte zu dem Starkregenereignis gef├╝hrt. Bei der Methode werden Wolken durch "Flugzeug-Impfung" mit Silberiodid oder Kochsalz zum Abregnen stimuliert. Der Nutzen ist jedoch umstritten. Die Effekte seien zumindest weitaus geringer als f├╝r Starkregen notwendig, sagte der Geoengineering-Experte Bla┼ż Gasparini dem Portal Futurezone. Die Zeitung Der Standard verweist auf die Recherche eines Wired-Journalisten, der trotz 300 Cloud-Seeding-Fl├╝ge bisher keine gro├če Zunahme der Regenf├Ąlle im Emirat feststellen konnte. Es handle sich vielmehr um einen riesigen Sturm, der den Oman offenbar noch viel h├Ąrter getroffen habe, obwohl dort kein Cloud-Seeding eingesetzt werde. Bereits 2022 wurden Ger├╝chte verbreitet, die verheerenden ├ťberschwemmungen in der T├╝rkei seien durch Wolkenimpfung ausgel├Âst worden.

Mehr dazu lesen Sie auch hier bei MDR Wissen.

­čô╗ Klima in MDR und ARD

Erneuerbare Energien: Wo steht Deutschland im europ├Ąischen Vergleich?

Trotz aller Verz├Âgerungen bei den Erneuerbaren Energien l├Ąuft der Ausbau von Wind- und Solarenergie hierzulande schneller als bei vielen europ├Ąischen Nachbarn.

Warum Gegener des Atomausstiegs falsch liegen

Klima-├ľkonomin Kemfert erl├Ąutert in der neuen Ausgabe von Kemferts Klima-Podcast warum sie den Atomausstieg f├╝r eine Erfolgsgeschichte h├Ąlt. 

Klimaschutz: Im Musikbusiness tut sich was

Recycling-LPs und Klimasongs - die Musikbranche versucht sich an Nachhaltigkeit. 

Kantine neu gedacht

Jeder F├╝nfte isst mittags in einer Kantine. Wenn es gelingt, dort nachhaltig erzeugte Lebensmittel auf den Tisch zu bringen, ist das ein wertvoller Erfolg im Kampf gegen die Klimakrise.

CO2-Speicherung: Kann die Technik helfen?

Einige Fachleute glauben, dass CO2 k├╝nstlich gespeichert werden muss. Diese Technik w├Ąre nur Vorwand f├╝r ein "Weiter so" der Industrie, unterstellen Kritiker. Kann es beim Verbot der CO2-Speicherung in Deutschland bleiben?

­čĹő Zum Schluss

Puh, das war ja wieder eine wilde Fahrt in Sachen Verkehr und Klima diese Woche. Ich hoffe, dass Sie jetzt etwas mehr Durchblick haben bei der Debatte ums neue Klimagesetz und der Frage, warum ausgerechnet FDP-Mann Wissing wollte, dass die Gesetzesnovelle so schnell wie nur m├Âglich kommt. Immerhin ist Eigenverantwortung ja ein beliebter Begriff bei den Liberalen. Und genau auf die f├Ąllt es nun wieder zur├╝ck: Statt politischer Steuerung bleibt es am klimabewusstsen Individuum h├Ąngen, das eigene Mobilit├Ątsverhalten besser zu gestalten. Aber am Ende reicht das vielleicht f├╝r ein reineres Gewissen, die Emissionen im Verkehr lassen sich so sicher kaum senken und schon gar nicht so drastisch, wie es notwendig w├Ąre.

Aber damit ich Sie nicht so negativ aus diesem Klima-Update entlassen muss, gibt es an dieser Stelle noch eine kleine Empfehlung:

Uns hat in dieser Woche eine E-Mail erreicht, in der Entt├Ąuschung dar├╝ber ge├Ąu├čert wurde, dass wir im Klima-Update bisher nichts zur Fashion Revolution Week gesagt h├Ątten. Und diese Kritik nehme ich mir in diesem Fall gern zu Herzen, denn das ist eine empfehlenswerte Aktionswoche, die da gerade l├Ąuft. Dabei geht es n├Ąmlich nicht nur um einen fairen und nachhaltigen Umbau der Modeindustrie, sondern auch um die Erinnerung an den Einsturz von Rana Plaza. Das war ein Geb├Ąude in Bangladesch, in dem Tausende in Bekleidungsfabriken Textilien f├╝r gro├če Modemarken hergestellt haben. Bei dem Einsturz starben mehr als 1.100 Menschen, weitere 2.500 wurden verletzt. Diese Katastrophe l├Âste eine Diskussion ├╝ber die teils katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Fabriken aus. Wer dieser Situation etwas entgegensetzen will, hat auf der Fashion Revolution Week aktuell noch die M├Âglichkeit, denn es finden noch zahlreiche Veranstaltungen wie etwa Kleidertausch-Events oder N├Ąhworkshops statt in St├Ądten wie Halle, Magdeburg, Leipzig oder Bitterfeld-Wolfen. Schauen Sie also gern hier nach, ob auch etwas f├╝r Sie dabei ist.

Vielen Dank, dass Sie uns auch diese Woche wieder ÔÇô oder auch zum ersten Mal ÔÇô gelesen haben. Bleiben Sie uns gewogen!

Einen wunderbaren Start ins Wochenende w├╝nscht Ihnen
Kristin Kielon